Transitpassagier abgeschafft © Sven FischerOne at a time
Acht Stunden transatlantik in der Holzklasse mit nur einem Gang. ExpressoMag-Leser Sven Fischer hat sich die Nonstop-Strapaze von Hamburg nach Newark angetan und hat auch sonst etwas zum Nörgeln.
Freitag früh am Flughafen Hamburg und am Check-In der Continental Airlines werde ich erstmal zum Interview bestellt: Der Zweck meiner Reise. Und: wer meinen Koffer gepackt habe. Und so weiter. Und das ganze mit berlinerndem Akzent.
Mir ist nicht ganz klar, weshalb ich all diese Fragen zu beantworten habe, zumal ich gar nicht daran denke, in die USA einzureisen, auch wenn mir der Airline-Bedienstete, der diese Albernheiten ohne jeglichen Humor am frühen Morgen abzuspulen bereit ist, behauptet, der Transitpassagier als solcher sei in den USA abgeschafft, auch wenn ich vorhabe, von Newark aus nach Zentralamerika weiter zu reisen, so wie es mein Ticket im übrigen ausweist.
Check-In wie eine mündliche Abiturprüfung: Bestanden. Nachher, auf dem Weg zum Gate, habe ich das Gefühl, dass mir die Mitreise so gerade eben noch genehmigt worden ist.
Am Gate noch einmal eine Prüfungsfrage. Ob ich am Flughafen etwas gekauft habe. (Ganz so, als gebe es hier am Zeitschriftenstand auch Schusswaffen im Angebot). Und als ich bejahe (ein Adapterset): ob die Ware für mich selbst bestimmt sei (als ob es den Angestellte irgendetwas angehe).
Der Start ist pünktlich und man steigt kurz darauf herrlich entlang der Elbe Richtung England. Der Service ist in Ordnung, nur scheint die blonde Stewardess im wesentlichen genervt zu sein von ihrem Job. Wenn jemand nicht gleich ihre Frage verstanden hat, oder später zwei Kartons (eine Chipstüte, eine Sauce, eine (Art) Praline) auf einmal zurück gibt, blafft sie nicht gerade, aber sie klärt den Kunden auf die selbe Art und Weise über seine Rechte auf („one at a time“), wie man dies von einem Cop aus Chicago gegenüber einem Ladendieb erwarten würde.
Acht Stunden und drei Minuten.
Wer hier mehr als einmal die Toilette aufsuchen möchte, hat es schwer, denn der einzige Gang in der eher für die Mittelstrecke konzipierten Boeing 757-200 ist stets blockiert vom Servicewagen oder anderen Passagieren, die auch auf die Toilette wollen, und an eine Bushaltestelle zur Rushhour denken lassen.
Die Toiletten ganz vorne sind selbstverständlich für die wenigen Paxe der „First Business Class“ reserviert. Als Alternative bietet sich der Weg in den Heck der Maschine an. Doch dort ist entweder ein weiterer Servicewagen unterwegs. Oder es steht dort eine weitere Schlange vor den Toiletten. Also bleibt das einzige Kabinchen im vorderen Teil, vor dem Vorhang der privilegierten Spesenflieger.
Ankunft in Newark, und ob ich will oder nicht: Erst Einreise, dann der Weiterflug. Dadurch wurden bei Flugbuchung verschiedene Gebühren und Abgaben fällig. Natürlich.
Die Frage des Passbeamten mit dem osteuropäischen Namen und dem Akzent, beim Blick in den Pass, weshalb ich (vor bald fünf Jahren) in den Iran gereist sei, bekomme ich immerhin kostenlos dazu. Neben allerlei Belehrungen zuvor auf Schildern, was ich hier schon wieder alles zu lassen habe (Fotografieren, das Telefon in Betrieb nehmen).
Ein Stockwerk höher geht’s zum Weiterflug. Vorher der Klingelbogen, und es geht zu wie im Taubenschlag, so dass ich Mühe habe, meine Sachen wieder einzusammeln. Weiterflug in sechs Stunden infolge Verspätung.
Flugzeit nach Zentralamerika: vier Stunden, achtundvierzig Minuten. Es gibt wieder nur einen Gang und eine erreichbare Toilette. Und ein Dutzend anderen Passagiere, die auch die kleine Kabine aufsuchen.
... 

