Seit 1983 tobt in Sri Lanka der Bürgerkrieg © Lasse DuddeSieg zum Frieden?
Die Regierungsoffensive scheint in eine entscheidende Phase gekommen zu sein – Sri Lankas Armee hat die tamilische Guerilla in die Dschungelecke getrieben zu haben. Der älteste unter den Kriegen der Gegenwart steht möglicherweise vor einem Ende. Doch ist damit auch ein anhaltender Friede im Urlaubsparadies in Sicht?Von Phillip Parker
Noch nie waren die tamilischen Tiger, vor 26 Jahren angetreten, um mit Bombenattentaten und Überfällen einen eigenen Staat auf der rund 65.600 Quadratkilometer großen und etwa 20 Millionen Einwohner zählenden Insel vor der Südostküste Indiens zu erreichen, derart in Bedrängnis und so nahe an der Aufgabe wie in diesen Tagen.
Noch vor wenigen Jahren dehnte sich der „Staat im Staat“ im Norden des Inselreichs auf 15.000 Quadratkilometer aus. Heute sind es noch etwa 300 Quadratkilometer, die von der „Liberation Tigers of Tamil Eelam“, kurz: LTTE, kontrolliert werden. Nachdem im Laufe des Januars das administrative Zentrum der LTTE, Kilinochchi, und der strategisch wichtige Elefantenpass von Regierungstruppen eingenommen worden waren, fiel am vergangenen Wochenende auch die für die Rebellen letzte wichtige Stadt und militärische Basis Mulaittivu.
Am Montag waren laut UN mindestens zehn zivile Todesopfer zu beklagen gewesen.Indischen Medienberichten zufolge soll Kilinochchi einer Geisterstadt geglichen haben, als die Armee dort einmarschierte. Eine inzwischen von den Truppen ausgerufene, 32 Quadratkilometer umfassende Sicherheitszone im Nordosten soll von beiden Kriegsparteien anerkannt worden sein.
Gleichzeitig werfen beide Seiten dem jeweiligen Gegner vor, diese Sicherheitszone nicht zu respektieren. Hilfsorganisationen sprechen inzwischen von mindestens 230.000 Menschen, die vor den Kampfhandlungen auf der Flucht sind.
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Im Jahre 2002 hatte es noch Hoffnungen gegeben, dass eine durch Norwegen vermittelte Waffenruhe zu einem endgültigen Ende des Krieges führen würde.
Traumstrände und viel Kultur: Urlaubsziel trotz Gefahren © Lasse DuddeDie Brüchigkeit des Friedens veranlasste Präsident Mahinda Rajapaksa Anfang letzten Jahres jedoch, diesen einseitig zu kündigen und eine entscheidende Militäroffensive einzuleiten mit dem Ziel, die LTTE ein für allemal zu vernichten – unter Zustimmung großer Teile der singalesischen Bevölkerungsmehrheit im Süden des Landes.
Die Freude bewegt sich allerdings innerhalb enger Grenzen nach Attentaten auch gegen die Demokratie. Erst am 8. Januar wurde der regierungskritische Journalist Lasantha Wickrematunga auf dem Weg zur Arbeit in der Hauptstadt Colombo ermordet.
Wie allerdings ein Frieden in Sri Lanka aussehen könnte, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Obwohl selbst Staatschef Rajapaksas einzusehen scheint, dass, sollte der erwartete militärische Sieg nicht zu einem Pyrrhussieg verkommen, die tamilische Minderheit integriert werden muss, erschöpften sich die bisherigen Anstrengungen einzig und allein in der Ankündigung einer Gesetzesänderung, welche den Provinzen mehr Macht garantieren soll.
Es ist kaum zu erwarten, dass dies die Tamilen zufrieden stellen würde.
Ein Mehrparteien-Komitee, bereits vor Jahren etabliert, um den Weg in eine gemeinsame Zukunft zu ebnen, steht vor dem Problem, dass drei der wichtigsten Parteien ihre Mitwirkung bislang verweigert haben.
Beiden Seiten des Konfliktes werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die LTTE soll Teile der Zivilbevölkerung als so genannte menschliche Schutzschilde missbrauchen.
Sowohl die Europäische Union als auch die USA haben die Tamil Tigers, die mit rund 250 ihr zugeschriebenen Anschlägen die Statistik der weltweit verübten Selbstmordattentate anführt und auch Kindersoldaten einsetzt, als terroristisch eingestuft.
Insgesamt sind schätzungsweise 60.000 Menschen durch den Bürgerkrieg seit 1983 ums Leben gekommen.
Gerüchte besagen, dass Velupillai Prabhakaran, der die LTTE über Jahrzehnte mit eiserner Hand geführt hat, inzwischen nach Indien geflohen sei.

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